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Pflanzenbiotechnologie auf dem Vormarsch ISAAA-REPORT Weltweite Anbaufläche auch 2008 wieder stark gestiegen
Immer mehr Landwirte rund um den Globus nutzen die Vorteile gentechnisch optimierter Nutzpflanzen. Nur in Europa kann die Pflanzenbiotechnologie in der Landwirtschaft nicht Fuß fassen. Wie aus dem im Februar veröffentlichten Bericht der privaten Organisation „International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications“ (ISAAA) hervorgeht, hat sich die Anbaufläche für transgene Pflanzen auch 2008 um gut 9 Prozent auf weltweit 125 Millionen Hektar ausgeweitet. Das entspricht annähernd der Fläche, die der gesamten Landwirtschaft in Westeuropa zur Verfügung steht. Über 13 Millionen Landwirte in 25 Ländern setzten 2008 gentechnisch optimiertes Saatgut ein.
Vor diesem Hintergrund richtet der Vorsitzende der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB), Dr. Stefan Marcinowski, den Appell an die politischen Entscheidungsträger in Brüssel und Berlin, das wirtschaftliche und wissenschaftliche Potenzial derPflanzenbiotechnologie endlich auch in Europa zur Anwendung zu zulassen: „Wir fordern die Politik in Europa auf, Landwirten den Zugang zu modernen Technologien zu ermöglichen und damit ihre weltweite Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Während inzwischen weltweit über 10 Prozent der Ackerfläche mit gentechnisch veränderten Pflanzen bebaut werden, gerät Europa zusehends ins Abseits.“ Presseinformation DIB
2008 haben weitere 1,3 Millionen Landwirte gentechnisch veränderte Pflanzen auf zusätzlichen 10,7 Millionen Hektar ausgesät. Drei neue Anbauländer sind hinzugekommen. Bemerkenswert ist vor allem, dass zwei afrikanische Länder, Ägypten und Burkina Faso, mit dem Anbau gentechnisch veränderter Nutzpflanzen begonnen haben: 2008 wurden in Ägypten 700 Hektar Bt Mais, in Burkina Faso 8.500 Hektar Bt Baumwolle angepflanzt. Damit schließen sie sich Südafrika an, das seit 1998 von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen wie Baumwolle, Mais und Soja profitiert.
„Die Aussichten für ein künftiges Wachstum sind ermutigend", sagt Clive James, Vorsitzender von ISAAA und Verfasser des Reports. Für 2015 prognostiziert er deshalb eine jährliche Anbaufläche mit gentechnisch optimierten Pflanzen von insgesamt 200 Millionen Hektar in 40 Ländern. „Die positiven Erfahrungen in den neuen Anbauregionen Süd-, Nord- und Westafrikas werden dazu beitragen, dass benachbarte Länder den gleichen Weg einschlagen und von diesen Beispielen lernen. Außerdem erkennen weltweit viele Politiker, dass gentechnisch verbesserte Nutzpflanzen eine Schlüsselrolle bei der Lösung zentraler sozialer Probleme einnehmen können, etwa der Sicherung der Nahrungsmittelversorgung und einer nachhaltigen Entwicklung.” James sieht sich in seiner Einschätzung vor allem dadurch bestätigt, dass beispielsweise die Führer der G-8 Staaten erstmals auf die Bedeutung gentechnisch veränderter Nutzpflanzen hingewiesen und dazu aufgerufen haben, „Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet zu intensivieren sowie den Zugang zu neuen Agrar-Technologien zu verbessern, um so die landwirtschaftliche Produktion deutlich zu steigern. Außerdem werden wir eine wissenschaftlich fundierte Risikoforschung ebenso fördern wie die Verbreitung von Saatgut, das mit biotechnologischen Verfahren entwickelt wurde.“ Auch die Europäische Union räume ein, dass gentechnisch veränderte Nutzpflanzen eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Nahrungsmittelkrise spielen könnten.
Die Analyse des ISAAA-Vorsitzenden wird auch durch die Entwicklung in China gestützt. „Um das Ernährungsproblem zu lösen,“ so Chinas Premier Wen Jiabao, „müssen wir in großem Stil Wissenschaft und Technologie nutzen, und wir müssen uns sowohl auf Biotechnologie als auch auf gentechnisch veränderte Pflanzen stützen.“ China hat daher zusätzlich 3,5 Milliarden US-Dollar für weitere Forschung und Entwicklung bereitgestellt. Allein gentechnisch veränderter Reis, der bereits in China entwickelt und in Freilandversuchen getestet wurde, könnte für etwa 440 Millionen Bewohner des Landes die Verfügbarkeit von Lebensmitteln verbessern und das Nettoeinkommen um etwa 100 US-Dollar pro Hektar steigern.
Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen spielen laut der aktuellen Bestandsaufnahme von ISAAA auch eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die Nachhaltigkeit der Lebensmittelproduktion zu verbessern. Aufgrund des geringeren Flächenverbrauchs unterstütze der Anbau gentechnisch veränderter Nutzpflanzen den Erhalt der Artenvielfalt. Der Produktionszuwachs von 141 Millionen Tonnen, der durch gentechnisch veränderte Nutzpflanzen erreicht worden sei, hätte bei konventionellem Anbau 43 Millionen Hektar zusätzliche Ackerbaufläche benötigt, betont ISAAA. In Entwicklungs- und Schwellenländern erwirtschaftet die Landwirtschaft einen erheblichen Teil des Bruttoinlandsprodukts. Studien in Indien, China, Südafrika und den Philippinen zeigten, dass gentechnisch optimierte Nutzpflanzen die Einkommen der Landwirte bereits um 115 bis 250 Dollar pro Hektar gesteigert haben.
Kontakt: Weitere Informationen und den ausführlichen Bericht erhalten Sie unter www.isaaa.org .
Länder, Zahlen, Trends und Fakten zur grünen Gentechnik ·Bolivien, das neunte Biotech-Land in Lateinamerika und der achtgrößte Produzent von Soja weltweit, baute 2008 herbizidtolerante gentechnisch veränderte Sojabohnen auf 600.000 Hektar an. ·Brasilien und Australien nutzten erstmals gentechnisch veränderte Pflanzen, die in anderen Ländern bereits zugelassen waren. Brasilien, der weltweit drittgrößte Maisproduzent, baute 2008 1,3 Millionen Hektar Bt Mais an, während Australien zum ersten Mal herbizidtoleranten Raps ausbrachte. ·Eine neue gentechnisch veränderte Pflanze, eine herbizidtolerante Zuckerrübe, wurde 2008 erstmals in den USA und Kanada angebaut. Die herbizidtolerante Sorte wurde auf etwa 258.000 Hektar ausgebracht. Das entspricht 59 Prozent der gesamten Zuckerrüben-Anbaufläche in den USA. ·Sieben EU-Länder steigerten ihre Flächen um 21 Prozent und erreichten so erneut insgesamt mehr als 100.000 Hektar, ein Meilenstein, der 2007 zum ersten Mal erreicht wurde. Die Bt Mais anbauenden EU-Länder sind – nach der Größe ihrer Anbauflächen – Spanien, Tschechien, Rumänien, Portugal, Deutschland, Polen und die Slowakei. ·Zu einem starken Anstieg kam es bei den Hektarzahlen bezogen auf einzelne Merkmale: Zehn Länder meldeten zusätzlich 22 Millionen Hektar mit gentechnisch veränderten Pflanzen, die mit mehr als nur einem neuen Merkmal ausgestattet sind.
Grüne Gentechnik in Deutschland – ein aktuelles Beispiel In einem Zeitungsinterview hat Bundeslandwirtschaftministerin Ilse Aigner (CSU) erklärt, ein Anbauverbot für gentechnisch veränderten Bt-Mais prüfen zu lassen, weil „grüne Gentechnik den Menschen hierzulande keinen erkennbaren Nutzen” biete. Bayerns Umweltminister Markus Söder hatte sich parallel in der Presse dafür ausgesprochen, im Freistaat keine Freisetzungen mehr zuzulassen. Er arbeite daran, Bayern zur „gentechnikfreien Anbauzone” zu machen. Dr. Stefan Rauschen (RWTH Aachen), Koordinator eines Forschungsverbundes zur biologischen Sicherheit von BT-Mais, schrieb daraufhin einen offenen Brief an die beiden Politiker. Darin heißt es: „Die Diskrepanz zwischen den wissenschaftlichen Ergebnissen auf der einen Seite und den politischen Aktivitäten auf der anderen Seite untergräbt die Glaubwürdigkeit der deutschen und internationalen Forscher”.
Ein Sprecher des Bundesforschungsministeriums warnte davor, den Koalitionsvertrag zu verletzten. Erforschung und Anwendung der grünen Gentechnik dürften „nicht dämonisiert” werden, sonst könne sich Deutschland isolieren. Quelle: biosicherheit.de
Der ISAAA-Report wird ausschließlich von zwei europäischen Non-Profit-Organisationen finanziert: Einer gemeinnützigen Einrichtung innerhalb der Ibercaja, eine der größten spanischen Banken mit Hauptsitz in der Maisanbauregion Spaniens, sowie der Bussolera-Branca Stiftung aus Italien, die den freien Wissensaustausch im Bereich Pflanzen-Biotechnologie unterstützt. Präsident und Gründer von ISAAA ist Clive James.
Nach Meinung bestimmter Politiker sollte grüne Gentechnik in Deutschland nur noch im Treibhaus stattfinden.
Bildquelle: BASF
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