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BioTech Brief Nr. 2/2009

Positionen + Termine

 

Topthema

Potentiale der Grünen Biotechnologie

In Europa herrscht Skepsis gegenüber der Grünen Gentechnik. Anderswo ist die Entwicklung von gentechnisch veränderten (GV-) Pflanzen auch der „zweiten“ und „dritten“ Generation fortgeschritten. Der weltweite Anbau transgener Kulturen auf derzeit 125 Mio. Hektar wird in den kommenden Jahren stark wachsen. Eine Konferenz der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC) widmete sich im November 2008 den aktuellen Trends.

Das größte Umsatzpotential wird neuen Pflanzen mit gentechnisch erzeugten Ertragssteigerungen und Stresstoleranzen beigemessen. Hinzu kommen die optimierte Stickstoffverwertung, neue Schädlings- und Krankheitsresistenzen (gegenüber Pilzen, Viren und Nematoden), nachwachsende Rohstoffe (Stärkekartoffeln) sowie Lebens- und Futtermittel mit besserem Nährstoffgehalt. Zur letzten Kategorie zählen Sojabohnen mit modifizierter Fettsäurezusammensetzung. Ihr Öl eignet sich besser zum Frittieren und Backen, weil weniger Trans-Fettsäuren entstehen. Andere Sojavarianten sind reich an Omega-3-Fettsäure, welches chronischen Herz-Kreislauferkrankungen vorbeugen kann. Für Raps gibt es ähnliche Forschungsprogramme.

Der gesamte Handelswert von GV-Sorten erreichte 2008 rund 7,5 Mrd. US-$. Für 2009 werden 8,3 Mrd. US-$ erwartet. Analysten rechnen mit einem Marktvolumen von 50 Mrd. US-$ bis 2025.

Entwicklungsprognosen für neue GV-Pflanzen

GV-Pflanze

Entwicklungs­stufe

Erwarteter Markteintritt [Jahre]

Land der Produkteinführung

Marktwert (bzw. ökonomischer Mehrwert *) Begriffsdefinitionen? im Land der Markteinführung [US-$/Jahr]

Insektenresistentes Gemüse (z.B. Auberginen)

Im Zulassungsprozess

1-2

Indien

Keine Angaben

Bt-Mais mit Mehrfachresistenzen gegen Schädlinge (z.B. Maiszünsler, Maiswurzelbohrer, Eulenfalter)

Im Zulassungsprozess

1-3

USA

Keine Angaben

Insektenresistenter Reis

Feldversuche; im Zulassungsprozess

2

China

4,2 Mrd. *

Trockenheitstoleranter Mais (10% Ertragsverbesserung bei Wasserknappheit)

Feldversuche; Zulassung beantragt

2-5

USA

300-500 Mio.

Insektenresistente Sojabohne (4% Ertragssteigerung gegenüber Insektizidbehandlung)

Feldversuche

2-5

Brasilien

150-300 Mio.

Soja mit erhöhtem Ölsäuregehalt (reduzierter Gehalt an einfach ungesättigten Fettsäuren wie bei Olivenöl)

Feldversuche

1-3 Jahre

USA

< 150 Mio.

Soja mit mehr Omega-3-Fettsäure (20% Ölanteil)

Feldversuche

2-5

USA

300-500 Mio.

Mais mit verbesserter Stickstoffverwertung

Frühe Entwicklungsphase

4-9

USA

300-500 Mio.

Futterpflanzen mit optimiertem Nährstoffgehalt (z.B. höherer Gehalt an essentiellen Aminosäuren und Proteinen)

Frühe Entwicklungsphase

4-9

USA

Keine Angaben

Trockenheitstoleranter Weizen (20% Ertragsplus)

Feldversuche

5-10

Australien

Keine Angaben

Pilzresistente Kultursorten (z.B. gegen Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln)

Feldversuche

5-7

USA

< 100 Mio.

Hochleistungsmais (erhöhte Ernteerträge)

Frühe Entwicklungsphase

5-7

USA

> 1 Mrd.

 

Entwicklungs- und Schwellenländer investieren

Neue Herbizidtoleranzen und Insektenresistenzen werden bereits in landestypische Pflanzen eingeführt. Indische Forscher arbeiten an Insektenresistenzen bei Hirse, Gemüse und Hülsenfrüchten, an pilzresistentem Gemüse und Zuckerrohr und an krankheitsresistentem Reis. Ein staatliches Forschungsinstitut koordiniert Freilandversuche mit GV-Auberginen, die gegen den Fruchtbohrer resistent sind. In China schreitet die Entwicklung von schädlingsresistentem und ertragsreicherem GV-Reis voran. Und in Südafrika und Kenia wird an der Verbesserung der regionstypischen Hirseart Sorghum gearbeitet. Der GV-Sorghum enthält mehr Provitamin A, Vitamin E, Eisen, Zink, Aminosäuren und Proteine und soll die Unterversorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen lindern. In diese Richtung zielt auch der „Goldene Reis“ mit angereichertem Provitamin A. Er ist technisch ausgereift, mit seiner Markteinführung wird aufgrund von Zulassungshürden ab 2012 gerechnet.

Allein China will in den nächsten zwölf Jahren rund 3,5 Mrd. US-$ in die Grüne Gentechnik investieren. In Indien wächst der Agrar-Biotechsektor um jährlich 30-50 Prozent und erreichte 2008 ein Volumen von etwa 400 Mio. US-$. Brasilien hat für biotechnologische Agrarinnovationen in den nächsten zehn Jahre 5 Mrd. US-$ in Aussicht gestellt. China und Indien investieren damit weit mehr in die bio- und gentechnologische Forschung als Europa. In Deutschland sinkt im internationalen Vergleich die Forschungsförderung stetig. Die Schwellenländer bemühen sich darum, die traditionelle Abhängigkeit von den Kompetenzzentren der Pflanzenforschung in Europa und Deutschland zu überwinden. Vor diesem Hintergrund scheinen neue F&E-Investitionsprogramme erforderlich. Die DIB plädiert für gezielte Projektunterstützungen und für die steuerliche Förderung von F&E-Aufwendungen. Dies wird in anderen Industrienationen erfolgreich praktiziert. Es zeigt sich, dass Unternehmen je Euro steuerlicher F&E-Förderung einen weiteren Euro aus eigener Kraft investieren.

 

Referenzen

1."Workshop on Global commercial pipeline of new GM crops”, 12-13.11.2008
European Commission, Joint Research Centre (JRC) / Institute for Prospective Technological Studies (IPTS); Seville, Spain:
http://agrilife.jrc.ec.europa.eu/pipeline.htm

2.ISAAA Brief 39-2008: Executive Summary:
http://www.isaaa.org/resources/publications/briefs/39/executivesummary/default.html

3.BASF Factbook 2008:
http://www.basf.com/group/corporate/de/function/conversions:/publish/content/investor-relations/news-publications/images/BASF_Factbook_Innovation.pdf

4.Food & Beverage News 2009:
http://greenbio.checkbiotech.org/news/bt_rice_hit_chinese_market_2_years_isaaa

5.J. Huang / R. Hu / S. Rozelle / C. Pray: Genetically Modified Rice, Yields, and Pesticides: Assessing Farm-Level Productivity Effects in China, 2006:
http://www.igsnrr.ac.cn/lwzzImg/1201161769326.pdf

6.All-Party Parliamentary Group on Science & Technology in Agriculture, Annual General Meeting – GM crops present & future – is it time to re-open the debate? 2009:
http://www.appg-agscience.org.uk/meetings.html

7.Monsanto News 2009: http://monsanto.mediaroom.com/index.php?s=13&cat=14&mode=gallery

8.ScienceBusiness 2009: Biotech crops are poised for second wave of growth: http://bulletin.sciencebusiness.net/ebulletins/showissue.php3?page=/548/art/12813/

9.Techmonitor 2008: India’s agri-biotech set to touch US$5 billion by 2010: http://techmonitor.net/techmon/08nov_dec/bio/bio_news.htm

10.Gain Report: Brazil / Biotechnology – Update of Biotechnology Issues in Brazil, 2007:
www.fas.usda.gov/gainfiles/200702/146280222.doc

11.OECD 2006: Main Science and Technology Indicators, Vol. 2006/2

12.TransGen-Datenbank Aubergine:
http://www.transgen.de/datenbank/pflanzen/19.aubergine.html

 

Positionen

Funktionierender Schutz bei Biopatenten

Patentschutz ist eine unerlässliche Voraussetzung für Forschung und technologische Innovation. Das geltende Recht gewährleistet dies und ermöglicht überdies den Interessenausgleich zwischen Patentinhabern, Landwirten und Züchtern.

·Es schränkt die Züchtung von Pflanzen und Tieren nicht ein. Herkömmliche Züchtungsverfahren sind nicht patentierbar. Um die Auslegung des Begriffs „im wesentlichen biologische Züchtungsverfahren“ kümmert sich das Europäische Patentamt.

·Patente können nicht auf Pflanzensorten oder Tierrassen erteilt werden, aber auf „genetische Erfindungen“, die technisch über eine einzelne Pflanzensorte hinausreichen. Dies betrifft bspw. Pflanzen, die mittels eines neuen gentechnischen Herstellungsverfahrens erzeugt wurden.

·Patente auf transgene Lebewesen betreffen nicht solche Lebewesen, die entsprechende Gene natürlicherweise enthalten.

·Neue Kreuzungs- und Selektionsverfahren zur Beschleunigung der Züchtung sind patentierbar. Damit entwickelte Pflanzen und Tiere unterliegen aber in der Regel keinem Patentschutz – es gibt „keinen abgeleiteten Sachschutz“.

·Im Patentrecht ist das Versuchsprivileg verankert, das freie Forschung an jeder patentierten Erfindung, einschließlich deren Weiterentwicklung, erlaubt. In Deutschland gibt es zudem das Pflanzenzüchterprivileg, um Züchtungsfortschritt zu gewährleisten.

·Landwirte werden durch das Landwirte-Privileg analog dem Sortenschutzrecht gestärkt. Ein Patent wird nicht verletzt, wenn Pflanzenmaterial zufällig oder technisch unvermeidbar auf ihre Äcker gelangt.

Die Patentierbarkeit von biotechnologischen Erfindungen ermöglicht den anhaltenden Züchtungsfortschritt. Der europäische Gerichtshof hat bestätigt, dass die EU-Biopatentrichtlinie ethischen Grundsätzen genügt. Eine Novelle der bestehenden Patentschutzpraxis ist daher nicht erforderlich.

 

Anbauverbot von MON810-Mais:

Eine Entscheidung gegen die Wissenschaft und gegen den Forschungsstandort

Bundesministerin Aigner (CSU) hat am 17.4.09 das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) anordnen lassen, die EU-Zulassung für den Anbau von MON810-Mais des US-Konzerns Monsanto ruhen zu lassen. Dies setzt eigentlich juristisch bindend voraus, dass neue oder zusätzliche wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, die eine Gefahr für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt nahelegen. In der Begründung führt das BVL „gemäß der Vorgabe des Fachaufsicht führenden Bundesministeriums“ Studien an, die, mit Ausnahme einer Laborstudie, bereits von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet wurden. Die EFSA hat den MON810-Anbau als sicher für Mensch, Tier und Umwelt eingestuft. Die einzige neue vom BVL genannte Studie befasst sich mit der Wirkung des Maises auf Larven des Zweipunktmarienkäfers. Sie weist nach Expertenmeinung methodische Mängel auf. Monsanto hält die Begründungen für unzureichend. Eilanträge gegen das Anbauverbot wurden inzwischen in zwei gerichtlichen Instanzen abgelehnt.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Helmholtzgesellschaft, die Max-Planck-Gesellschaft, die Leibnitzgemeinschaft und die Hochschulrektorenkonferenz votierten in einer gemeinsamen Presserklärung gegen das Verbot. Die Wissenschaftsorganisationen hoben hervor, dass die deutsche Biosicherheitsforschung bislang keinen Beleg für eine Umweltgefährdung durch GV-Pflanzen geliefert habe. Die Politik von Ministerin Aigner untergräbt das Vertrauen in das europäische Zulassungsverfahren und in die deutschen und europäischen Sicherheitsbehörden. Sie gefährdet die Entwicklung einer Zukunftstechnologie und den Forschungsstandort Deutschland. Auf diese Gefahr wies implizit auch Bundeskanzlerin Merkel hin, als sie auf einer CDU-Tagung sagte: „Mit einem einfachen Nein zur Grünen Gentechnologie werden wir die Zukunft nicht bestehen.“

 

Termine

10.-12. Juni 2009 ERBI’s BioPartnering Exchange, Cambridge, UK, http://www.erbiconference.co.uk/

15.-17. Juni 2009 ILSI Biomed 2009 Conference, Tel Aviv, Israel, http://www2.kenes.com/biomed/Pages/Home.aspx

16. Juni 2009 Clusterkonferenz des CIB Frankfurt, Frankfurt / Main, www.cib-frankfurt.de

16.-18. Juni 2009 5. German-Russian Forum Biotechnology, Novosibirsk, Russland, http://www.owwz.de/667.html?&L=1

 


 
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