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BioTech BRIEF Nr. 02/2008

News + Termine

Topthema

Regeln zur Nutzung genetischer Ressourcen bis 2010

Mehr als 4000 Delegierte aus über 170 Ländern beteiligten sich im vergangenen Mai an der Vertragsstaatenkonferenz zur „UN-Konvention über die biologische Vielfalt“ in Bonn. Ein zentrales Arbeitsthema war das „Access und Benefit Sharing“ (ABS). Hierbei geht es darum, den Zugang zu genetischen Ressourcen und den Vorteilsaugleich bei ihrer Nutzung gerecht zu gestalten. Werden zum Beispiel Wirkstoffe in Pflanzen oder Mikroben in Entwicklungsländern entdeckt und anschließend anderswo zu Forschungszwecken eingesetzt oder vermarktet, soll auch das Herkunftsland auf international einheitlicher Rechtsgrundlage an der Wertschöpfung beteiligt werden. Neben dem grundsätzlichen Erhalt der biologischen Vielfalt und der nachhaltigen Nutzung ihrer Bestandteile sind faire Beteiligungsmodelle eine der drei Säulen der UN-Konvention zur Biodiversität.

Die Biotechnologie-Industrie begrüßt, dass im Laufe der Konferenz das „Bonner Mandat“ zur Ausgestaltung eines solchen Abkommens verabschiedet werden konnte. Bis zur Folgekonferenz 2010 in Japan soll nun ein Entwurf erarbeitet und zur Diskussion und Abstimmung vorgelegt werden. Die DIB vertritt die deutsche Biotechnologie als Mitglied der Delegation der International Chamber of Commerce (ICC).

Beidseitige Vorteile durch leichten Zugang

Für Unternehmen ist ein unbürokratischer und rechtlich gesicherter Zugang zu genetischen Ressourcen wichtig, um neue Produkte und Prozesse entwickeln zu können. Dies betrifft sämtliche Bereiche, in denen die Biotechnologie eine Rolle spielen kann, ob Pharmazie, Landwirtschaft, Kosmetik- und Nahrungsmittelindustrie oder die Herstellung von Waschmitteln und Papieren. Die Entwicklungsinvestitionen für Innovationen sind zumeist sehr groß, die Erfolgsquote ist hingegen niedrig. Umso wichtiger ist es, dass am Anfang eines Wertschöpfungsprozesses kein zu hoher Verwaltungsaufwand entsteht. Forschern und Unternehmen, die eine viel versprechende genetische Ressource identifiziert haben, sollte der Zugang deshalb bei einem hohen Maß an Transparenz und Rechtssicherheit ermöglicht werden. Selbstverständlich sollte vor jedweder Nutzung die Zustimmung der zuständigen Behörden im Herkunftsland eingeholt werden.

Von solchen Vereinbarungen profitieren beide Seiten, denn nur wenn der Entwicklungsaufwand in einem vernünftigen Verhältnis zum möglichen Nutzen steht und die Eigentumsrechte für eine genetische Ressource geklärt sind, kann entschieden werden, ob sich der Erwerb und die Forschungsausgaben lohnen. Erst wenn dies positiv bewertet wird, kann ein Vorteilsausgleich mit dem Herkunftsland vereinbart werden. Künftige ABS-Regelungen müssen für Unternehmen wie für Herkunftsländer effizient und praktikabel sein. Insbesondere sollten bei der Ausarbeitung folgende Aspekte beachtet werden:

·Verschiedene Branchen und Stufen der Wertschöpfungskette benötigen unterschiedliche Zugangs- und Ausgleichsmodalitäten.

·In den Herkunftsländern muss jeweils eine einzige nationale Anlaufstelle benannt werden, die als Ansprechpartner für Unternehmen fungiert.

·Die Modalitäten für den Zugang zu einer natürlichen Ressource und den eventuellen Vorteilsausgleich sollten das Unternehmen und das Herkunftsland jeweils in einem bilateralen Vertrag auf Basis standardisierter Vertragsbedingungen fixieren. Die ebenfalls diskutierten Herkunftszertifikate haben dagegen den Nachteil, dass mit ihrer Veröffentlichung die darin enthaltenen Informationen nicht mehr als neu gelten können. Dies steht einer späteren Patentierung im Wege, da „Neuheit“ eine Voraussetzung für die Patentierbarkeit ist.

·Das Patentsystem sollte durch ABS-Regelungen keinesfalls eingeschränkt oder geändert werden.

·Bei der Formulierung der ABS-Grundregeln sollten bereits existierende Richtlinien und Verträge wie die Prinzipien für den Zugang zu pflanzengenetischen Ressourcen der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) zu Rate gezogen werden.

·Hilfreich wäre der Aufbau einer internationalen Datenbank, in der die genetischen Ressourcen länderspezifisch gelistet werden.

·Für eventuelle Streitfälle empfiehlt es sich, auf das Schiedsverfahren der Internationalen Handelskammer (ICC) zurückzugreifen.

Die DIB hat für das ABS-System ein Ablaufschema erarbeitet, das von der Identifizierung einer genetischen Ressource bis hin zur industriellen Wertschöpfung und zum Vorteilsausgleich alle Schritte umfasst. Zusammen mit obigen Empfehlungen wird man es in die laufenden Verhandlungen einbringen.

www.dib.org/default2~cmd~shd~docnr~122843~rub~760~tma~1223~nd~.htm


News

Biotech-Firmen auf Wachstumskurs

Die deutsche Biotechnologie-Branche hat sich im schwierigen Börsenjahr 2007 besser als erwartet entwickelt und befindet sich weiter auf Wachstumskurs. Wie Bernward Garthoff, Vorsitzender der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie, Anfang September vor der Presse erklärte, setzt sich vor allem bei der roten und weißen Biotechnologie die Erfolgsstory fort. So zähle Deutschland beim Einsatz der Biotechnologie für industrielle Zwecke mit seinem Know-how und den Produktionskapazitäten zu den führenden Nationen weltweit. Im Bereich der roten Biotechnologie weist der Bericht der Boston Consulting Group „Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2008 – Wirtschaftsdaten und Innovationskraft“ für Biopharmazeutika einen Umsatzanstieg um 28 Prozent auf vier Milliarden Euro sowie einen Zuwachs der Beschäftigtenzahlen um mehr als 4.000 (14 Prozent) aus. Aufgrund des Bedarfs an innovativen Therapien sowie gut gefüllten Entwicklungspipelines rechnet man mit anhaltend dynamischem Wachstum.

In der Gesamtbranche sind laut einer von Biotechnologie.de im Auftrag des BMBF durchgeführten Umfrage 2007 die Umsätze um 14 Prozent auf zwei Milliarden Euro gestiegen. Die FuE-Ausgaben überschritten erstmals die Milliardengrenze und landeten bei einem Plus von acht Prozent. Die Anzahl der Beschäftigten hat sich ebenfalls positiv entwickelt – sie stieg um 1,5 Prozent auf 14.360.
www.dib.org/default~cmd~shd~docnr~123530~lastDokNr~-1.htm
www.vfa.de/vfa-bio-de/aktuell/bcg-studie-medizinische-biotechnologie-2008.html
www.biotechnologie.de/bio/generator/Navigation/Deutsch/daten-und-fakten,did=72810.html
www.ey.com/Global/content.nsf/Germany/Presse_-_Pressemitteilungen_2008_-_Biotechnologie-Report

 

Potenziale nachwachsender Rohstoffe ausschöpfen

Die Koalitionsfraktionen im Bundestag haben die Bundesregierung aufgefordert, Forschung und Entwicklung für die industrielle Nutzung nachwachsender Rohstoffe zu stärken. Vor dem Hintergrund steigender Weltmarktpreise für Energie und Rohstoffe sowie der Importabhängigkeit Deutschlands in diesen Bereichen soll 2009 eine Strategie einschließlich konkreter Zielvorgaben erarbeitet werden. Vorgeschlagen wird, alle Kompetenzen und Aktivitäten in einem Bioraffinerie-Forschungsnetzwerk zu bündeln und die Bereiche Artenvielfalt, Bodenfruchtbarkeit, Wirkungsgrad, Kaskadennutzung und Ökobilanzierung aufzunehmen. Zudem sollen die Anbaubedingungen importierter Biomasse im Hinblick auf Umwelt- und Sozialstandards bewertet und ein EU-weiter „Aktionsplan für biobasierte Produkte“ angeregt werden. Im Antrag der Koalitionsfraktionen heißt es weiter, dass für den Chemiestandort Deutschland mit seinen etwa 450.000 Arbeitsplätzen auch ein staatliches Förderinstrumentarium sinnvoll sei, um die großen Potenziale, die in der Nutzung nachwachsender Rohstoffe liegen, voll ausschöpfen zu können.
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/097/1609757.pdf

 

Forschungsfreiheit zunehmend eingeschränkt

Das neue Gentechnikgesetz (GenTG) werde die Forschung zur Grünen Gentechnik erleichtern, hieß es noch im Frühjahr 2008 bei der Präsentation der Novelle aus dem Hause von Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer. Dieses Ziel ist verfehlt worden. Universitäten, Hochschulen und andere Forschungseinrichtungen des Bundes und der Länder ziehen sich zusehends aus der Freilandforschung zurück. Dieser Trend wird durch Feldbesetzungen und Zerstörungen forciert. An der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) wurden im April auf Veranlassung der Hochschulleitung Anbauversuche mit GV-Mais des Lehrstuhls von Professor Andreas Schier gestoppt und damit das Freiheitsprinzip für Forschung und Lehre unterlaufen. Auch Feldforschungen der Universität Gießen sind zum Erliegen gekommen. Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer hat unlängst davor gewarnt, „dass uns Länder wie China oder Indien Nachhilfestunden in der Grünen Gentechnik geben, weil die Forschung eben nicht hier, sondern im Ausland betrieben wird.“ Doch es fehlt eindeutig an politischen Rahmenbedingungen, um diesem Szenario entgegensteuern zu können.
www.biosicherheit.de/de/aktuell/628.doku.html
www.bundesregierung.de/nn_1514/Content/DE/Bulletin/2008/01/08-1-bml-bt.html

 

Neue Internetplattform zur Weißen Biotechnologie

Die „Deutsche Plattform Weiße Biotechnologie“ (DPWB) erläutert auf ihrer neuen Webseite die Vorzüge, Anwendungsbereiche und Potenziale „Weißer Biotechnologien“. Um die Spitzenposition Deutschlands in diesem Bereich zu erhalten und die industrielle Entwicklung voranzutreiben, fordert die DPWB in einem Positionspapier, das hohe Niveau der Forschungsförderung auszubauen. Die steuerlichen Rahmenbedingungen für forschende Unternehmen sollten verbessert und der gesellschaftliche Dialog gestärkt werden. Das Positionspapier findet sich unter www.weisse-biotechnologie.de.

 

Termine

7.-9. Oktober 2008

Biotechnica und European BioPerspectives, Hannover

www.biotechnica.de / www.bioperspectives.org

17.-19. November 2008

Bio-Europe 2008, Hamburg

www.ebdgroup.com/bioeurope

16.-21. November 2008

10th International Symposium on the Biosafety of Genetically Modified Organisms (ISBGMO), Wellington, Neuseeland

www.isbgmo.info

 


 
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