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BIO 2007

 

International Biotechnology Meeting & Exhibition

Boston, USA

6. 9. Mai 2007

 

 

 

 

 

 

Bericht zur offiziellen deutschen Firmengemeinschaftsausstellung

 

 

erstellt vom Informanten:

 

Dr. Hans-Jürgen Klockner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frankfurt am Main, im Juni 2007


1. Die wirtschaftliche Nutzung der Biotechnologie

 

Die Industrie nutzt Biotechnologie und Gentechnik für die Herstellung wirksamerer und nebenwirkungsärmerer Arzneimittel und Diagnostika, qualitativ verbesserter und ertrag­reicherer Pflanzensorten sowie für die Konzeption umweltverträglicherer Produkte und Verfahren. Im Jahr 2006 betrug der weltweite Pharmaumsatz nach vorläufigen Schät­zungen rund 640 Milliarden Dollar. Davon entfielen 10 % auf Arzneimittel mit biotech­nologisch gewonnenen Wirkstoffen. Die weltweite Anbaufläche von gentechnisch veränderten Pflanzen lag 2006 bei rund 102 Millionen Hektar.

 

Eine große Rolle bei der Entwicklung neuer biotechnologischer Produkte und Verfah­ren spielen die "Biotech-Unternehmen". Dies sind kleine bis mittelständische Unter­nehmen mit einem hohen Wissenschaftleranteil und mit Forschungsaufwendungen, die oft mehr als 50 % des Unternehmensaufwandes betragen. Die Mehrzahl der Biotech-Unternehmen hat sich im Prozess des Technologietransfers zwischen der Wissen­schaft und den großen "Life Science"-Konzernen positioniert. Zunehmend bringen sie aber auch eigene Produkte auf den Markt. Der kumulierte Umsatz der weltweit rund 5.000 Biotech-Unternehmen beläuft sich nach Angaben des Consulting-Unternehmens Ernst&Young auf rund 74 Milliarden US-$.

 

 

2. Allgemeines zu den BIO-Messen/-Kongressen

 

Die BIO-Messen/-Kongresse finden jährlich statt. Als Veranstaltungsorte werden größere Städte der USA und Kanadas gewählt. Veranstalter ist die "Biotechnology Industry Organization" (BIO), ein US-amerikanischer Wirtschaftsverband mit Sitz in Washington, D. C. (www.bio.org). Mitglieder von BIO sind über 1.100 amerikanische Biotechnologieunternehmen, wissenschaftliche Einrichtungen und Gründungszentren in der Biotechnologie sowie eine Reihe von ausländischen Unternehmen und Organisationen.

 

Die Besucher- und Ausstellerzahlen der BIO-Messen/-Kongresse stiegen in den letzten Jahren kontinuierlich an. Dies zeugt von der stürmischen Entwicklung der Kommerzialisierung der Biotechnologie weltweit.

 

Jahr

Ort

Messebesucher

Aussteller

Deutsche Aussteller
(insgesamt)

1999

Seattle

5.700

450

60

2000

Boston

10.300

800

107

2001

San Diego

13.700

800

126

2002

Toronto

15.700

1.060

136

2003

Washington D. C.

16.300

1.270

94

2004

San Francisco

17.000

1.470

112

2005

Philadelphia

18.000

1.525

88

2006

Chicago

19.500

1.700

96

2007

Boston

23.000

30% aus dem Ausland

2.310

120

Die Besucher der BIO-Messen sind ausschließlich Fachbesucher, im Wesentlichen Kooperationspartner im Kunden- und Zuliefererbereich sowie Dienstleister (z. B. für Produktzulassung, Patentanmeldung und Unternehmensfinanzierung).

 

Der Veranstalter BIO führte im Rahmen der BIO 2007 ein mehrtägiges Partnering("Business-Forum") mit über 12.000 "one-on-one"-Meetings von 1.500 Biotech-Unternehmen mit potenziellen Kooperationspartnern und Investoren durch. Daran nahmen viele deutsche Biotech-Unternehmen teil, die übereinstimmend der Nutzen dieses Partnering-Moduls der BIO betonten.

 

Da die biotechnische Industrie eine typische High-Tech-Industrie ist, sind die Veran­staltungen der BIO durch eine enge Verwobenheit zwischen einem Messeteil und einem Kongressteil gekennzeichnet. Im Kongressteil der BIO 2007 wurden in 200 Sessions Vorträge mit wissenschaftlichem, wirtschaftlichem oder politikbezogenem Bezug gehalten. Die Vorträge wurden zu folgenden Schwerpunkthemen zusammen­gefasst:

 

-Bench to Products

-Bioethics

-Biopreparedness

-Business Development

-Clinical Research/Clinical Trials

-Devices and Predictive Diagnostics

-Doing Business Globally

-Drug Discovery and Development

-Emerging Company Issues

-Finance

-Food and Agriculture

-Global Health

-Industrial and Environment

-Intellectual Property/Legal

-Manufacturing

-Policy

-Public Relations/Investor Relations

-Regenerative Medicine

-Regulatory

-Technology Transfer/Licensing

 

Die Termine der nächsten BIO-Messen/-Kongresse sind:

 

17. – 20. Juni 2008 in San Diego, USA

17. – 20. Mai 2009 in Atlanta, USA

2. – 5. Mai 2010 in Chicago, USA

26. – 29. Juni 2011 in Washington, DC, USA


3. Der Messeteil der BIO 200
7

 

3.1 Aussteller und Besucher

 

Auf der BIO 2007 waren 2.310 Aussteller aus 39 Staaten vertreten. Die Ausstellungs­fläche war nahezu ausgebucht. Alle fachlichen Schwerpunkte der Biotechnologie waren vertreten. Die Aussteller waren in der Reihenfolge der Häufigkeit:

 

-Forschungsintensive Biotech-Unternehmen
(bei Sitz außerhalb der USA in der Regel auf Länder-/Regionen-Pavillons; insgesamt gab es 41 Länder-/Regionen-Pavillons von außerhalb der USA)

-Regionale Entwicklungsgesellschaften

-Equipment-Zulieferer für die biotechnische Industrie

-Anwaltskanzleien und Consultants aus den verschiedensten Bereichen

 

Die Aussteller aus den USA und Kanada traten als Einzelaussteller oder auf Bundes­staatenebene auf. Die Aussteller aus Übersee präsentierten sich nahezu ausschließlich auf Staatenebene.

 

Rund 22.400 Fachbesucher, davon 30 % aus dem Ausland, nahmen an der BIO 2007 teil. Bei der Besucheraufteilung nach den 64 Herkunftsländern lag Deutschland nach USA und Kanada an dritter Stelle.

 

 

3.2 Deutsche Aussteller-Beteiligung

 

Im Rahmen des Auslandsmesseprogramms der Bundesrepublik Deutschland gab es bei der BIO 2007 das neunte Mal eine vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte deutsche Firmengemeinschaftsausstellung.

 

Durchführungsgesellschaft war das erste Mal die FAIRS – Messe Marketing Manage­ment GmbH aus Nürnberg. Die deutschen Aussteller auf der BIO 2007 haben den Service der FAIRS nach Abschluss der Veranstaltung ausgesprochen gelobt.

 

Die deutsche Präsenz auf der BIO 2007 lag mit 112 Ausstellern auf dem 495 m² großen deutschen Gemeinschaftsstand und einer Handvoll Einzelaussteller um etwa 15 % über dem Niveau von 2006. Der Themenschwerpunkt der ausstellenden deut­schen Biotechnologieunternehmen lag im medizinischen und diagnostischen Bereich sowie in Plattformtechnologien. Nach den USA kam Deutschland – wie bereits in den letzten sieben Jahren – wieder auf Platz 2 im "Länderranking" der Aussteller.

 

62 % der deutschen Aussteller waren schon auf einer früheren BIO-Messe präsent und wollten im weltweit führenden Markt USA die Kontinuität und den Fortschritt ihrer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten demonstrieren; 38 % der Aussteller nahmen das erste Mal an einer BIO-Messe teil. Über 90 % der deutschen Aussteller hatten den amerikanischen Markt schon vor der Beteiligung an der BIO 2007 bearbeitet. Die deut­schen Aussteller waren zu 90 % durch ihre deutschen Stammhäuser vertreten, der Rest durch Niederlassungen in den USA.


58 % der deutschen Aussteller gaben die BIO 2007als einzige bzw. wichtigste Messe, an der sie im laufenden Jahr teilnehmen, an. Für den Rest der Aussteller (42 %) ist die BIO 2007eine von mehreren Messen, auf der sie sich 2007 präsentieren. 74 % der deutschen Aussteller erklärten, dass sie ohne die amtliche Beteiligung der Bundes­republik Deutschland nicht an der BIO 2007 teilgenommen hätten.

 

Von politischer Seite wurde der deutsche Gemeinschaftsstand von Innovationsminister Prof. Pinkwart (Nordrhein-Westfalen), Wirtschaftsminister Dr. Rhiel (Hessen),Wirt­schafts-Senator Wolf (Berlin), Wirtschafts-Staatssekretär Werren (Niedersachsen)sowie einigen Abgeordneten des Hessischen Landtages besucht.

 

 

3.3 Darstellung der Leistungsfähigkeit Deutschlands: „Invest in Germany“, "German Night"

 

Am 6. Mai fand im Rahmen des internationalen Programms die von Invest-in Germany organisierte deutsche "Country-Presentation" mit dem Titel "Biotech made in Germany: From start up to grown up" statt. An dieser Veranstaltung nahmen über hundert Inter­essenten aus aller Welt teil. Ziel war die Darstellung Deutschlands als eine der weltweit führenden Nationen im Bereich der Biotechnologie. Bedauerlich war, dass das Podium nicht mit einem Vertreter der Bundesregierung besetzt werden konnte, der die Ziele und Maßnahmen der Bundesregierung zu Stärkung des Biotech-Standortes Deutsch­land und die Unterstützung ausländischer Investoren aus erster Hand darlegen konnte. Von Seiten einer Reihe von Teilnehmern wurde mit Blick auf die BIO 2008 angemerkt, dass in Zukunft mehr Wert auf zusammenfassende Darstellungen der Leistungs­fähigkeit Deutschlands bereits bei den verschiedenen Einführungsvorträgen gelegt werden muss und dies nicht der anschließenden Diskussion überlassen sein sollte. Auch wurde die Auswahl der angesprochenen Themen als nicht optimal eingeschätzt.

 

Für den 7. Mai lud der deutsche Generalkonsul in Boston,Dr.Michael Vorwerk,Aussteller und Vertreter aus der Biotech-Szene von Boston zu einer "German Night Reception" in das Boston Marriott Copley Place Hotel ein, an der mehrere hundert Personen teilnahmen. Die Eröffnungsrede dieses erfolgreichen "Networking Events" wurde von Herrn Prof. Pinkwart gehalten.Von Seiten einer Reihe von Teilnehmern wurde mit Blick auf die BIO 2008 angemerkt, dass in Zukunft stärkerer Wert auf die Vermittlung deutscher Identität (Speisen und Getränke, Musik, Deutschlandfahnen etc.) gelegt werden sollte.

 

 

3.4 Messeerfolg aus Sicht der deutschen Aussteller

 

Die Zahl und die Qualität der Fachbesucher wurden von jeweils zwei Drittel der deut­schen Aussteller als "gut" beurteilt (siehe folgende Tabelle). Die Fachbesucher des deutschen Gemeinschaftsstandes kamen aus allen Ländern der Welt, was dem Charakter der BIO als Welt-Leitmesse entspricht.


 

gut

mittel

schlecht

Zahl der Fachbesucher

71 %

27 %

2 %

Qualität der Fachbesucher

69 %

31 %

0 %

 

 

Die von den deutschen Ausstellern mit der Messebeteiligung verfolgten Ziele und ihre Erreichung zeigt die folgende Tabelle (in Klammern die Werte der BIO 2006). Viele Geschäftskontakte sind mittlerweile etabliert und die nachhaltige Kundenpflege gewinnt zusammen mit der Einführung von neuen Produkten an Bedeutung.

 

Ziele der
deutschen Aussteller

Ziel angestrebt

 

Ziel erreicht

 

 

 

ja

teilweise

nein

Kundenwerbung,

Kontaktpflege

95% (74%)

83% (55%)

15% (39%)

2% (6%)

Marktbeobachtung

87% (76%)

83% (81%)

17 % (19%)

0% (0%)

Imagewerbung

73% (67%)

75% (82%)

25% (11%)

0% (7%)

Vertragsabschlüsse,

Auftragserteilung

44% (69%)

21% (48%)

42% (31%)

37% (21%)

Einführung von Produkten und Leistungen

42% (57%)

35% (33%)

52% (13%)

12% (54%)

Kooperation,

Lizenzvergabe

40% (64%)

27% (34%)

55% (33%)

18% (33%)

Vertretersuche

24% (43%)

31% (22%)

23% (22%)

46% (56%)

 

 

Die Erwartung eines guten Nachmessegeschäftes lag mit 62 % auf Vorjahresniveau (siehe folgende Tabelle, in Klammern die Werte der BIO 2006).

 

 

gut

gering

aussichtslos

noch keine

Beurteilung
glich

Möglichkeit des Nachmessegeschäftes

62% (63%)

14% (12%)

0% (0%)

24% (25%)

 

 

Die meisten deutschen Unternehmen waren mit ihrem Messeauftritt sehr zufrieden und gehen von einer Teilnahme auch an der BIO 2008aus (siehe folgende Tabelle). Drei Viertel der Aussteller auf dem deutschen Gemeinschaftsstand haben sich bereits jetzt vorgenommen, auf der BIO 2008 wieder präsent zu sein.

 

 

ja

nein

noch offen

Beteiligung an der BIO 2008

74 %

2 %

24 %

 


3. Schlussfolgerungen für die BIO 2008

 

Bereits bewilligt ist die Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) für die BIO 2008 vom 17.-20. Juni 2008 in San Diego im Rahmen des Auslandsmesse­programms der Bundesrepublik Deutschland. Bei der BIO wurden für 2008 bereits
576 m² reserviert, das sind 81 m² mehr als 2007. Aufgrund der Diskussionen mit den deutschen Ausstellern zum Ablauf der BIO 2007 können folgende Anregungen für die BIO 2008 gegeben werden:

 

·Das ansprechende und auffällig gestaltete Standdesign kam bei Ausstellern und Messebesuchern gut an und sollte für die BIO 2008 grundsätzlich beibehalten werden. Allerdings sollte der deutsche Pavillon wieder offener werden (Zurück­führen von Zwischenwänden) und die Mindestgröße für einen Einzelstand von 2 m² auf mindestens 3 m³ angehoben werden. Der Informationsstand sollte aufgrund der Vielzahl der vertretenen Ministerien und Behörden in den Verkehrsflächen um etwa 20 m² größer werden. Die Funktionsräume (Besprechungsraum, Küche, Büro) waren klein, aber ausreichend.

 

·Wichtig bei der Planung der Begleitmaßnahmen für die Bio 2008 ist, dass dies dann das zehnte Mal in Folge sein wird, dass eine vom BMWi geförderte deutsche Firmen­gemeinschaftsausstellung auf der BIO stattfindet. Hierzu wäre die Anwesenheit eines hochrangigen Vertreters des Bundeswirtschafts- oder des Bundesforschungsministeriums sicherlich sinnvoll – auch im Hinblick die "Country-Presentation" und die "German Night-Reception".

 

·Auf der BIO 2008 sollte es wieder eine deutsche "Country-Presentation" im Rahmen des internationalen Programms geben. Zu dessen thematischer Ausrichtung sollte auf Einladung des Bundeswirtschaftsministeriums frühzeitig eine Strategiediskus­sion unter Einladung der Verbände erfolgen.

 

·Die "German Night-Reception" auf der BIO 2008 sollte insbesondere vor dem Hintergrund des zehnjährigen Jubiläums interessant gestaltet werden und deutsche Identität (Speisen und Getränke, Musik, Deutschlandfahnen etc.) vermitteln. Hierfür sollten als messebegleitende Maßnahme ausreichende Mittel im Rahmen der Auslandsmesseförderung bereitgestellt werden.

 

·Zu prüfen wäre auch eine Reception am deutschen Stand am Ende des zweiten Messetages.