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Vorwärts in die alten Zeiten

Ernst & Young durchleuchtete wieder die Biotechnologieindustrie Deutschlands. Zum ersten Mal ist Deutschland Europameister. Im Vergleich mit den USA legen die finanziellen Kennzahlen auch Managementschwächen der hiesigen Unternehmen offen.

Wolf G. Kroner (27. April 2006)

 

„Die Branche hat auf den Weg zurückgefunden, der die ursprüngliche Zukunftsperspektive als Innovationsmotor des Hochtechnologiestandorts Deutschland wieder rechtfertigt.“ resümieren Julia Schüler und Siegfried Bialojan im nunmehr 9. Ernst & Young-Bericht zur Lage der Biotechnologieindustrie (1). Die Unternehmen arbeiten an 16 zusätzlichen Wirkstoffen (2004: 268). Von allen Wirkstoffen sind 16 mehr in Phase II (2004: 46) und 2 mehr in Phase III (2004: 10). Zum ersten Mal sind die Umsätze nicht gefallen, sondern um 1% gestiegen - immerhin. Der Personalabbau hat sich verlangsamt. Wurden von 2003/04 noch 1.860 Stellen abgebaut, waren es in der Folgeperiode 2004/05 nur noch 141. Auch die Investoren schöpfen wieder Vertrauen in die Branche. Das neu investierte Eigenkapital stieg um € 489 Mio (+15%). Es liegt nur 11% unter dem Wert von 2001, dem Jahr mit der zweithöchsten Eigenkapitalfinanzierung der deutschen Biotechbranche. Die VC-Unternehmen sind wieder risikofreudiger geworden. In 2005 flossen €326 Mio (+38%) den hiesigen Botechnologieunternehmen zu. Erstmals lagen die Finanzierungsrunden wieder bei mehr als der Hälfte der Unternehmen über 5 Mio. €. Highlights des vergangenen Jahres bildeten die Finanzierungen von Vorzeigeunternehmen wie Curacyte (€31,5 Mio), Evotec (€28,4 Mio), Mologen (€9,0 Mio), MorphoSys (€17,4 Mio) oder Neuraxo (€12,8 Mio). Hinzu kommen die Börsengänge von Jerini (IPO-Erlös €49,6 Mio) und Paion (€46,0 Mio). „In der Summe liegt bei den Finanzierungen die deutsche Biotech-Industrie erstmals auf Platz 1 in Europa“, resümiert Siegfried Bialojan, Industry Leader Health Sciences Deutschland, „noch vor der britischen Branche.“

 

Kenndaten

Deutschland

 

USA

 

 

 

2005

% 2005

? 05/04

2005*

% 2005

? 05/04*

Gesamtsektor

375

100%

-1%

1.415

 

5,1%

private Unternehmen

361

96%

 

1.086

77%

6,9%

börsennotierte Unternehmen

14

4%

 

329

23%

-0,6%

Beschäftigte gesamt

9.534

100%

-1%

keine Angaben

 

private Unternehmen

7.625

80%

 

k.A.

 

 

börsennotierte Unternehmen

1.909

20%

 

k.A.

 

 

- in F&E gesamt

5.116

100%

 

k.A.

 

 

- davon F&E private

3.863

73%

 

k.A.

 

 

- davon F&E börsennotierte

1.253

27%

 

k.A.

 

 

Umsatz gesamt € mio

832

100%

1%

41.082

100%

15,8%

- private Unternehmen

609

73%

 

2.350

6%

0,0%

- börsennotierte Unternehmen

223

27%

 

38.732

96%

16,9%

 


F&E-Ausgaben gesamt €

789

-2%

-2%

16.044

100%

0,9%

- private Unternehmen

633

80%

 

3.079

19%

0,0%

- börsennotierte Unternehmen

156

20%

 

12.965

81%

1,0%

Verlust gesamt €

-568

100%

6%

3.322

100%

-40,6%

- private Unternehmen

-403

71%