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Biotechnologie-Statistik 2010 Stand: Mai 2011 Unter moderner Biotechnologie werden alle innovativen Methoden, Verfahren oder Produkte verstanden, die die wesentliche Nutzung von lebenden Organismen oder ihrer zellulären und subzellulären Bestandteile beinhalten und dabei von Erkenntnissen der Forschung auf den Gebieten Biochemie, Molekularbiologie, Immunologie, Virologie, Mikrobiologie, Zellbiologie oder Umwelt- und Verfahrenstechnik Gebrauch machen. Die Gentechnik ist ein Teilgebiet der Biotechnologie. Marktsegmente sind zum Beispiel: Arzneimittel, Impfstoffe, Medizinprodukte, Diagnostika, Pflanzenzüchtung, nachwachsende Rohstoffe, Nahrungsmittelherstellung, Enzyme, Feinchemikalien, Umweltbiotechnologie und analytische Dienstleistungen. Inhaltsübersicht 1. Gesundheit.1 2. Agrobiotechnologie.2 3. Industrielle Biotechnologie.5 4. Kleine Biotechnologie-Unternehmen.6 5. Patente.7
1. Gesundheit Arzneimittelmärkte | Weltmarkt: Im Jahr 2009 betrug der weltweite Pharmaumsatz nach vorläufigen Schätzungen ca. 808 Mrd. $. Davon entfielen ca. 15 % auf Arzneimittel mit biotechnologisch gewonnenen Wirkstoffen. USA: In den USA befinden sich gegenwärtig mehr als 450 biotechnologische Arzneimittel in der Entwicklung, davon sind gut 50 % gegen vielfältige Formen von Krebs gerichtet. Europa: Bei der europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) lag 2008 der Anteil der gentechnisch hergestellten Arzneimittel an den zentralisiert zugelassenen Medikamenten bei 27 %. Deutschland: Derzeit sind in Deutschland mindestens 142 Arzneimittel mit 106 Wirkstoffen zugelassen, die gentechnisch hergestellt werden (Stand: 07.07.2010). Diese rekombinanten Medikamente machen mit rund 4,9 Mrd. Euro bereits 17 % des Arzneimittelumsatzes in Deutschland aus (2010; Apotheken und Krankenhäuser, gerechnet zu Herstellerabgabepreisen). Wichtige Anwendungsbereiche sind u.a. Diabetes (Insuline), Multiple Sklerose und rheumatoide Arthritis (Immunmodulatoren), Krebserkrankungen (monoklonale Antikörper), angeborene Stoffwechsel- und Gerinnungsstörungen (Enzyme, Gerinnungsfaktoren) sowie Schutzimpfungen (Gebärmutterhalskrebs, Hepatitis B). |
Quellen: vfa (Juni 2011), PhRMA (2010) Umsatz mit Biopharmazeutika in Deutschland (in Millionen Euro) | | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | Stoffwechsel | 768 | 853 | 904 | 1.204 | | Immunologie | 219 | 658 | 769 | 1.124 | | Onkologie | 373 | 523 | 627 | 753 | | ZNS | 391 | 449 | 563 | 659 | | Infektion | 528 | 919 | 861 | 362 | | Hämatologie | 372 | 337 | 310 | 350 | | Andere | 479 | 272 | 355 | 221 | | Insgesamt | 3.130 | 4.011 | 4.389 | 4.673 | |
Quelle: vfa bio/BCG (2007-2010) Diagnostikamärkte | Deutschland: 2009 betrug das Volumen des deutschen Marktes für biotechnologiebasierte Diagnostika- und Life-Science Research-Reagenzien etwa 1,07 Mrd. Euro (das entspricht rund 37 % des gesamten deutschen Diagnostika- und Liefe Science-Reagenzienmarktes von 2,85 Mrd. Euro). Der Gesamtmarkt, Geräte und Reagenzien betrug 2009 mehr als 3,7 Mrd. Euro. | Quelle: VDGH (2010) | TOP |
2. Agrobiotechnologie Märkte | Weltmarkt: Auch 2010 hat der Anbau gentechnisch veränderter (gv) Pflanzen weltweit zugenommen. Deren Flächen stiegen gegenüber 2009 um 14 auf nunmehr 148 Millionen Hektar. Der Zuwachs betrug in den Industrieländern fünf Prozent (3,8 Millionen Hektar) und in den Entwicklungsländern 17 Prozent (10,2 Millionen Hektar). Überdurchschnittliche Flächensteigerungen gab es in Brasilien und Burkina Faso. Bei Soja werden rund 71 Prozent der Welterzeugung mit gv Sojabohnen erzielt, bei Baumwolle beträgt dieser Anteil 64 Prozent. Die acht Spitzenreiter weltweit, die 2010 jeweils auf mehr als einer Million Hektar gv Pflanzen anbauten, waren die USA (66,8 Millionen Hektar), Brasilien (25,4 Millionen Hektar), Argentinien (22,9 Millionen Hektar), Indien (9,4 Millionen Hektar), Kanada (8,8 Millionen Hektar). 2010 listet der ISAAA-Report 29 Länder auf, die gv-Pflanzen landwirtschaftlich nutzen. Neu hinzugekommen sind Myanmar und Pakistan. Die kommerzielle Nutzung von gv-Sorten konzentriert sich weiterhin auf Sojabohnen, Mais, Baumwolle und Raps. In den USA standen auf kleineren Flächen gv-Zucchinis (Squash), gv-Papayas und Luzerne. In China werden gv-Papayas und gv-Pappeln genutzt. Zudem soll es einen begrenzten Anbau von gv-Tomaten und –Paprika geben. Genauere Angaben dazu enthalt der ISAAA-Report nicht. USA: Die Landwirte in den USA setzen auch 2010 unvermindert auf die Grüne Gentechnik. Bei Mais, Soja und Baumwolle ist etwa 90 Prozent in den USA ausgebrachten Saatguts gentechnisch verändert, zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Den größten Anstieg verzeichnet Baumwolle, hier stieg der Anteil an gv Baumwolle von 88 auf 93 Prozent. Bei Soja nahm der Anteil gv Sorten um zwei Prozent, bei Mais um ein Prozent zu. Europa: Die Landwirte in der EU haben 2010 weniger gentechnisch veränderte Pflanzen ausgebracht als im Vorjahr. Weiterhin das mit Abstand führende Land ist Spanien. Neben dem Mais MON810 war 2010 erstmals der Anbau der gv-Kartoffel Amflora erlaubt. In acht EU-Mitgliedsstaaten sind 2010 gv-Pflanzen landwirtschaftlich genutzt worden. Bt-Mais MON810 in sechs Ländern: Die gesamte Anbaufläche ging 2010 um gut 3.000 auf nunmehr 91.500 Hektar zurück. Entgegen den Prognosen hat der Anbau von Bt-Mais in Spanien 2010 wieder zugenommen. Die Flächen sind um 500 auf 76.500 Hektar gestiegen. Spanien ist das einzige Land in Europa, in dem w:char74;-Mais mit etwa 24 Prozent einen nennenswerten Anteil an der nationalen Maiserzeugung erbringt. Amflora-Kartoffeln in drei Ländern. Seit 2010 ist neben Mais eine weitere gentechnisch veränderte Pflanze zum Anbau in der EU zugelassen: die Amflora-Kartoffel mit veränderter Stärkezusammensetzung. 2010 wurde sie in drei EU-Mitgliedsstaaten angebaut: In Deutschland und in Schweden, um Pflanzgut für das kommende Jahr zu gewinnen. In Tschechien wurde die Ernte genutzt, um die Verarbeitung der Amflora-Kartoffel in der Stärkeindustrie zu testen. Der Anbau der Anflora-Kartoffel wird 2011 in Schweden und Deutschland deutlich reduziert, in Tschechien vorerst eingestellt. |
Quellen: ISAAA (2010), www.transgen.de (2010), www.amflora.de (2010) Mit gentechnisch veränderten Pflanzen bebaute Fläche – weltweit (in Millionen Hektar) | | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | USA | 54,6 | 57,7 | 62,5 | 64,0 | 66,8 | Argentinien | 19,0 | 19,1 | 21,0 | 21,3 | 22,9 | Brasilien | 11,5 | 15,0 | 15,8 | 21,3 | 25,4 | Kanada | 6,1 | 7,0 | 7,6 | 8,2 | 8,8 | China | 3,5 | 3,8 | 3,8 | 3,7 | 3,5 | Deutschland | << 0,1 | << 0,1 | - | - | <0,1 | Rest der Welt | 8,3 | 11,6 | 110,7 | 118,6 | 127,4 | Summe | 102,0 | 114,3 | 125,0 | 134,0 | 148 |
Quelle: ISAAA (2006 – 2010) Mit gentechnisch veränderten Pflanzen bebaute Fläche – weltweit (in Millionen Hektar) | Art | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | Soja | 58,0 | 58,6 | 65,8 | 69,0 | 73,3 | Mais | 26,0 | 35,2 | 37,8 | 42,0 | 46,8 | Baumwolle | 13,2 | 15,0 | 15,4 | 16,0 | 21,0 | Raps | 4,8 | 5,5 | 5,9 | 6,4 | 7,0 | Sonstiges | < 0,1 | < 0,1 | < 0,1 | 0,5 | 0,5 | Summe | 102,0 | 114,3 | 125,0 | 134,0 | 148 |
Quelle: ISAAA (2006 – 2010)
Anträge auf Freisetzung transgener Pflanzen in Deutschland | | Genetische Modifikationen bei Pflanzen, die 2008 in der EU zugelassen waren | 1996 | 17 | | Herbizidtoleranz, Insektenresistenz | 11 | 1997 | 18 | 1998 | 19 | | Herbizid- und Insekten-Resistenz | 10 | 1999 | 22 | | Insekten-Resistenz | 6 | 2000 | 9 | | Veränderte Blütenfarbe | 2 | 2001 | 9 | 2002 | 7 | | Verlängerte Haltbarkeit | 1 | 2003 | 9 | | Herbizid-Resistenz | 1 | 2004 | 9 | 2005 | 9 | | Quelle: Tätigkeitsbericht über die Arbeit der ZKBS im Jahr 2009 (2010) | 2006 | 13 | | | | 2007 | 10 | | | | 2008 | 6 | | | | Quelle: Tätigkeitsbericht über die Arbeit der ZKBS im Jahr 2009 (2010) | | | TOP |
3. Industrielle Biotechnologie Märkte | Produkte der weißen Biotechnologie zeigen eine Wachstumsrate, die signifikant über der von chemisch hergestellten Produkten liegt. Das Weltmarktvolumen wird auf 55 Mrd. Euro jährlich geschätzt.
2004/2005 betrug der Biotechnologie-Umsatzanteil in der Anwenderbranche Chemie 4 - 6 %, dies entspricht einem Produktionswert von 3,5 - 4,3 Milliarden Euro. | Quelle: Fraunhofer ISI (2007) | TOP |
4. Kleine Biotechnologie-Unternehmen
Kennzahlen der Unternehmen in Deutschland (2007) (Unternehmen nach OECD-Definition) | | "Dedizierte Biotech-Unternehmen" | Sonstige "innovativ biotechnologisch-aktive Untenehmen" (z. B. Pharma- und Chemieunternehmen, Saatguthersteller) | | 2009 | 2010 | 2009 | 2010 | Unternehmen | 531 | 538 | 114 | 125 | Beschäftigte | 14.950 | 15.480 | 16.650 | 17.000 | Umsatz (Mio. Euro) | 2,18 | 2,37 | k. A. | k. A. | FuE-Aufwand (Mio. Euro) | 1,05 | 1, 02 | k. A. | k. A. |
Quelle: biotechnologie.de (2011) Segmente der "dedizierten Biotech-Unternehmen" in Deutschland (2009) (Unternehmen nach OECD-Definition; nur Hauptsegment) | Gesundheit/Medizin (inkl. Veterinärmedizin) | 46,5 % | Industrielle Biotechnologie | 10,4 % | Agro-Biotechnologie | 4,5 % | Bioinformatik | 3,9 % | Nichtspezifische Dienstleistungen | 34,7 % |
Quelle: biotechnologie.de (2011) Finanzierungsquellen dedizierter Biotechnologie-Unternehmen | | 2008 | 2009 | 2010 | Fördermittel | 51 | 51 | 45 | Kapitalerhöhungen über die Börse | 94 | 122 | 335 | IPOs | - | - | - | Venture Capital | 202 | 142 | 321 |
Quelle: biotechnolgie.de (2008 – 2011) TOP 5. Patente Patentanmeldungen zu Arzneimitteln mit biotechnologischem Bezug | | 1995 | 2007 | USA | 352 | (54,6 %) | 468 | (42,1 %) | Deutschland | 65 | (10,1 %) | 102 | (9,2 %) | Japan | 28 | (4,3 %) | 173 | (15,5 %) | Großbritannien | 41 | (6,4 %) | 42 | (3,8 %) | Frankreich | 41 | (6,4 %) | 52 | (4,7 %) | Sonstige | 118 | (18,3 %) | 276 | (24,8 %) | Insgesamt | 645 | (100 %) | 1,113 | (100 %) | Quelle: Deutsches Patent- und Markenamt (2008) | TOP |
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